| HB-XDS
/ S-55T in der Schweiz
Mit dem Eintrag vom 11.4.1972
des Sikorsky S-55T, HB-XDS, erhielt das Schweizer Luftfahrzeugregister,
die helvetische Helikopterszene und das Belpmoos ein Unikat, welches zwischen
1972 und 1977 zu beobachten war.
von
Paul Schüpbach
In den 70er Jahren begann
die in Mesa/Arizona ansässige Firma Heli-Tec Corporation mit dem Umbau
von Sikorsky S-55 bzw. H-19. Der Pratt&Whitney, z.T. auch Wright Kolbenmotor
wurde durch eine leistungsfähigere Turbine Garett-AiResearch TSE 331-3U-303
von 650 SHP ersetzt, zahlreiche mechanische und elektrische Komponenten
welche zuvor im Heckteil eingebaut waren, wurden neu in der Kabine installiert,
zudem konnte durch den Umbau 400 kg an Leergewicht gewonnen werden.
Eisenhut
Aviation
Aviation Specialties International
fand in Eisenhut Aviation eine Verkaufsvertretung für Europa. Walter
Ulrich Eisenhut aus Vaduz hatte mit dem S-55T grosse Pläne: Am 24.3.1972
trafen per Tieflader 2 Sikorsky H-19D (ex M57-5980 und M57-5981) welche
früher bei der italienischen Luftwaffe dienten in der Heliswiss Werft
ein, die ersten von geplanten 9 Stück, welche Eisenhut Aviation bei
Heliswiss in Belp und bei Pilatus in Stans auf die Version S-55T umbauen
lassen wollte und dafür Käufer in ganz Europa zu finden hoffte...
Die
HB-XDS trifft ein
Als Vorführhelikopter
erwarb Eisenhut Aviation von Heli-Tec die N824T #55-1186 welche am 7.5.1972
durch die Piloten W.U. Eisenhut und Mike Zimmer von Rotterdam nach Bern
überflogen wurde. Die Bewährungsprobe in Europa sollte die HB-XDS
mit HELISWISS als Operator erhalten. Am 10.Mai fanden Test- und Trainingsflüge
statt, am 15.Mai erhielt der Helikopter Heliswiss Titel und bereits am
18.5. erfolgte (europaweit) der erste kommerzielle Einsatz durch Heliswiss
in Sörenberg. Fast den ganzen Sommer war der Helikopter nun für
Transportflüge beim Bau einer Hochspannungsleitung der BKW im
Einsatz. Es erfolgten aber auch Flüge im Tessin, Graubünden und
der Westschweiz. Nach Abschluss der Saison wurde die HB-XDS ab dem
10.11.1972 stillgelegt und bei Heliswiss eingelagert. Auch für die
beiden H-19D Zellen aus Italien gab es im Moment keinen Lichtblick: Praktisch
im Originalzustand dämmerte die eine im Heliswiss, die andere im Transair
Hangar vor sich hin. Noch hatte Eisenhut Aviation keine Käufer und
konnte somit kein grünes Licht für einen Umbau geben.
Vercharterung
Aber im Frühjahr 1973
gab es Hoffnung: Die HB-XDS konnte über den Sommer an die spanische
Helicsa vermietet werden. Für den Offshore-Einsatz auf den Kanarischen
Inseln wurde der Helikopter zusätzlich mit aufblasbaren Notschwimmern
an den Rädern versehen. HB-XDS verliess Belp am 10.März und kehrte
am 5.Oktober via Clermont-Ferrand in die Schweiz zurück. Am 10.10.1973
erfolgte der Ueberflug Bem-Stans zwecks Ueberwinterung. Am 2.3.1974 erschien
die HB-XDS wieder bei Heliswiss und wurde für einen neuen Einsatz
vorbereitet. Am 24.April ging es von Bem nach München-Jesenwang, wo
die HB-XDS mit Süd-HelicopterTitel im Auftrag des Bayerischen Roten
Kreuzes Ambulanz-Einsätze im Grossraum München flog. Am 18.September
erfolgte der Rückflug nach Bem zu Heliswiss, einmal mehr zum einmotten.
Eisenhut
verkauft erste S-55T
In der Zwischenzeit konnte
Eisenhut Aviation einen ersten Erfolg mit dem S-55T verbuchen: Die eine
H-19D Zelle wurde von Bem nach Stans gebracht und in rund 4'000 Arbeitsstunden
baute Pilatus die alte "Kaffeemühle" (Nickname der S-55T) um, anfangs
März erfolgte der Erstflug als N62450 und am 14.3.1975 wurde die SE-HGZ
in Bem verzollt und anschliessend dem neuen Eigentümer, der AB NORRLANDSFLYG
in GälIivare/Schweden übergeben. Am nächsten Tag folgte
der Ueberflug nach Schweden mit einem ersten Zwischenhalt in Stuttgart.
Verkauf
HB-XDS
Der HB-XDS wurde im Frühjahr
in Bem einer grösseren Kontrolle unterzogen und anschliessend für
ad-hoc Aufträge bei Heliswiss eingesetzt, so war der Helikopter u.a.
in Italien und zeitweise auf den Aussenbasen in Domat-Ems und Gruyeres
stationiert. Nachdem 1976 kein Operator gefunden werden konnte, blieb die
HB-XDS fast das ganze Jahr arbeitslos am Boden. Aus Platzmangel bei Heliswiss
wurde die Maschine bei Transair im Belpmoos abgestellt. Aufgrund der guten
Erfahrung mit der SE-HGZ entschloss sich AB Norrlandsflyg die HB-XDS, die
noch verbliebene H-19D Zelle und das gesamte Ersatzteillager zu kaufen.
Am 9.3.77 verliess die HB-XDS die Schweiz via Baden-Baden auf der Ablieferung
nach Schweden, wo sie das neue Kennzeichen SE-HHY erhielt. Im Gegensatz
zum Schwesterschiff, SE-HGZ, welches heute noch aktiv ist, war der ehemaligen
HB-XDS kein langes Leben im Hohen Norden vergönnt. Am 15.8.1979 stürzte
der Helikopter in einen See im Sarek National Park bei Sitasjaure, 130
km westlich von Kiruna, wobei leider 6 Personen ums Leben kamen.
Links
zum Thema
HB-XDS
Datenblatt
SE-HGZ
by Nordic Rotors |
The
first and only swiss S-55T arrived in Bern
Prepared
for a transport on the road
HB-XDS
1973 with winch and popout floats
SE-HGZ
ready for the delivery to Sweden
HB-XDS
during the last days in Switzerland
|